Hagebauprofi
4 TIEFBAU + STRASSENBAU aktuell Herbst 2023 Die Straßeninfrastruktur wird durch das hohe Verkehrsaufkommen stark beansprucht und muss permanent in- standgehalten oder erneuert werden. Obwohl Teer seit vier Jahrzehnten nicht mehr verbaut werden darf, schlummern Abermillionen Tonnen des krebserre- genden Klebstoffs in deutschen Stra- ßen. Und dieser muss nach und nach zurückgebaut werden. Laut Fraunhofer- Institut fallen dabei allein in Deutsch- land jährlich 3,3 Mio. Tonnen gefährli- cher oder teerhaltiger Asphalt gemäß AVV 17 03 01 an, der entsorgt werden muss. 2 Mio. Tonnen davon landen auf Deponien, 300.000 Tonnen werden zum Recycling in die Niederlande ge- bracht. Dort betreibt das Unternehmen Recycling Kombinatie REKO B.V. als einziges Unternehmen in Europa zwei Verwertungsanlagen, um teer- und bi- tumenhaltigen Straßenbruch zu 100 % thermisch zu verwerten. Politischer Wille führt zur Innovation Dass die Niederländer bei der Ver- wertung und Wiederaufbereitung von NACHHALTIGES BAUEN IM STRASSENBAU Das neue Ablagerungsverbot der Deponieverordnung tritt am 1. Januar 2024 in Kraft und betrifft auch teerhaltigen Straßenaufbruch. Wie sind wir darauf vorbe- reitet? Wie kann der Straßenbau nachhaltiger werden? teerhaltigem Straßenasphalt die Nase vorne haben, ist dem politischen Willen ihres Landes zu verdanken. Als Land ohne nennenswerte Roh- stoffe für den Straßenbau waren sie auf den Import aller Primärrohstoffe ange- wiesen. Seit 2001 darf in den Nieder- landen teerhaltiger Asphalt nicht mehr wiederverwendet werden, seit 2006 gilt ein Deponieverbot für Straßenbruch. Dieses Deponieverbot führte zu dem in- novativen Recyclingverfahren, das Reko seitdem anbietet. In Deutschland gilt das Verbot, teerhaltigen Asphalt wie- derzuverwenden erst seit 2018. Die neue deutsche Deponieverordnung, die mit Jahresbeginn 2024 in Kraft tritt (vgl. auch Fachblatt vom Herbst 2021 „Belastete Böden), könnte in Deutsch- land eine ebensolche Initialzündung für eine Aufbereitung von kontaminiertem Straßenaufbruch werden wie in den Niederlanden. Es ist Aufgabe der Politik, die Wege dafür zu ebnen und Planungs- und Genehmigungsverfahren entsprechend zügig zu gestalten. Foto: iStock / Getty Images Plus / Juan-Enrique Thermische Behandlung von teerhaltigem Straßenaufbruch Reko gewinnt durch Verbrennen der zermahlenen Asphaltreste bei 850 °C bis zu 1.000 °C wieder reines, zertifizier- tes Gestein wie Sand, Splitte oder Kies, die an die Asphalt- oder Betonindustrie verkauft und neu genutzt werden. Als Nebenprodukt fallen bei der Verbren- nung wertvolle Materialien wie Basalt oder Diabas an, aber auch Gips und jede Menge Dampf und Wärme, die in Strom umgewandelt werden (siehe Abb.1). Pro Jahr bereitet Reko rund 1,8 Mio. Ton- nen teerhaltige Straßenreste auf, dabei werden rd. 200.000 Megawattstun- den Strom produziert, das entspricht dem Jahresbedarf von 70.000 Fami- lien. Die thermische Reinigung erfüllt alle strengen Nachhaltigkeitskriterien im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Bau- unternehmen, die teerhaltigen Asphalt thermisch reinigen lassen, erhalten eine Bescheinigung, dass sie zur Reduzie- rung von CO 2 -Emissionen beitragen. In ihrer Studie Verwertungsoptionen für teerhaltigen Straßenaufbruch kommt
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